Schwangerschaft

Schwangerschaft: Vorübergehende Inkontinenz lässt sich beheben

Die Diagnose „Belastungsinkontinenz“ trifft vorwiegend Frauen. Vor allem nach Geburten oder in den Wechseljahren wird ihr Beckenboden naturgemäß schwächer. Rund ein Viertel aller Frauen zwischen 25 und 35 Jahren leidet – zumindest vorübergehend – an Blasenschwäche. Weil ihr Beckenboden schlaff und schwach ist, gehen schon bei ganz norma-len körperlichen Belastungen wie etwa Husten, Lachen oder Niesen unwillkürlich ein paar Tropfen Urin verloren. Viele schaffen nicht einmal mehr ohne Harnverlust die Treppenstufen im eigenen Haus. Experten nennen diese Form der Blasenschwäche „Belastungsinkontinenz“.

Eine Belastungsinkontinenz ist eine unangenehme Sache – die sich aber beheben lässt, zum Beispiel durch konsequentes Beckenbodentraining – und auch durch den Abbau von Übergewicht. Gezieltes, vor allem regelmäßiges Beckenbodentraining kann diese Schwäche in den meisten Fällen schnell und zuverlässig wieder beseitigen. Dazu müssen die Betroffenen allerdings erst einmal vor sich selbst zugeben, ein Problem zu haben. Vielen, vor allem Jüngeren, fällt das sehr schwer. Schließlich ist Blasenschwäche heute immer noch ein Tabu – und wenn schon, dann doch eher ein Problem, das ältere Menschen betrifft. So die Einschätzung der Jungen. Besser wäre der offensive Umgang mit dem Problem: Den Arzt ansprechen und dann konsequent dagegen vorgehen.

Auch extremes Übergewicht, mit dem zunehmend jüngere Frauen nach der Geburt kämpfen, schwächt den Beckenboden über Gebühr. Wer es schafft, sein Gewicht auf Normalmaß zu reduzieren, der behebt dabei in der Regel auch gleich sein Blasenproblem! Deshalb: Der Einsatz für ein normales Gewicht lohnt sich. Erster Termin auf dem Weg dorthin sollte immer das Gespräch mit dem eigenen Arzt sein.

Inkontinenz von A bis Z

Inkontinenz ist keine Krankheit!

Zehn Millionen Deutsche, so die Schätzung, leiden an Blasenschwäche. Wahrscheinlich sind es noch mehr, mutmaßt das Infozentrum Inkontinenz. Die Dunkelziffer ist hoch, denn Inkontinenz ist immer noch ein gesellschaftliches Tabuthema. Betroffene sprechen nicht darüber. Sie haben Angst davor, ausgegrenzt zu werden. Das hat Gründe: Die Fähigkeit die Blasenfunktion zu beherrschen, gilt bei Kindern als wichtiger Entwicklungsschritt. Parallel zum „Sauberwerden“ verlaufen die geistige und die soziale Entwicklung des Kindes. Für viele Laien heißt das im Umkehrschluss: Wer seine Blase nicht beherrscht, der ist geistig eingeschränkt und sozial problematisch. Kein Wunder, wenn sich Betroffene angesichts solch massiver Vorurteile lieber nicht „outen“.

Dabei ist Blasenschwäche keine Krankheit, sondern ein Symptom mit sehr unterschiedlichen Ursachen. Die erfreuliche Nachricht: Viele Formen der Blasenschwäche lassen sich erfolgreich behandeln, teilweise sogar wieder beheben. Voraussetzung ist allerdings: Die Betroffenen müssen raus aus der Isolation. Sie müssen sich ihrem Arzt anvertrauen, denn vor der erfolgreichen Behandlung steht immer die Diagnose.

Blasenschwäche wird häufig durch eine Krankheit, Operation oder etwa Medikamente ausgelöst. Ursachen für Inkontinenz sind neben einem schwachen Beckenboden, der durch Schwangerschaft und Geburt zusätzlich geschwächt wird, unter anderem Übergewicht oder häufige Harnwegsinfektionen. Auch Operationen, etwa der Prostata, können zu Kontinenzproblemen führen. Diabetes ist mit einem erhöhten Risiko verbunden, ebenso Schlaganfall, Demenz, Multiple Sklerose, Querschnittslähmung. Nicht zu unterschätzen sind die Nebenwirkungen verschiedener Medikamente. Davon sind besonders Ältere betroffen, weil sie in der Regel mehr Medikamente einnehmen als jüngere Zeitgenossen.