Volksleiden Inkontinenz

Volkskrankheit Blasenschwäche: Inkontinenz so verbreitet wie Heuschnupfen und Migräne

Wer an Inkontinenz leidet, der redet nicht darüber. Blasenschwäche ist immer noch ein Tabu-Thema. Dabei sind viele betroffen, mehr Frauen als Männer, Senioren, aber auch Junge. Rund acht Millionen Deutsche haben eine schwache Blase. Das sind immerhin zehn Prozent der Bevölkerung. Damit ist der ungewollte Harnverlust fast so häufig wie Heuschnupfen und genau genommen schon eine „Volkskrankheit“. Aber während alle ohne Scheu über ihre Niesattacken und roten Augen plaudern, versiegt das Gespräch, wenn es auf Blasenschwäche kommt. Inkontinenz – darüber redet man nicht.

Schade eigentlich, denn Ärzte wissen längst: Darüber reden hilft! Vor allem mit dem Arzt oder Apotheker. Denn nur wenn sich die Betroffenen offenbaren, kann ihnen geholfen werden. Gute Beratung, passende Hilfsmittel oder Beckenbodentraining erleichtern das Leben und verbessern die Lebensqualität.

Unter Blasenschwäche leiden vor allem Frauen – drei von vier Betroffenen sind weiblich. Während bei Männern nur jeder Zehnte im Laufe seines Lebens eine Blasenschwäche entwickelt, ist es bei den Frauen jede Vierte. Viele sind schon in jungen Jahren, nach einer Geburt, damit konfrontiert. Weil ihnen Hygiene und körperliche Attraktivität besonders wichtig sind, ist ihnen die Sache peinlich und sie behelfen sie mitunter jahrelang mit ungeeigneten Hilfsmitteln wie beispielsweise Damenbinden.

Wissenschaftler haben herausgefunden: Jede dritte Frau findet es unangenehm, mit Bekannten über ihre Blasenschwäche zu reden. Im Gegensatz dazu hat aber nur jede Siebte ein Problem damit, mit Kollegen oder Nachbarn über Periode oder Menopause zu sprechen. Sogar Details über Magen-Darm-Probleme und Depressionen gehen den meisten leichter über die Lippen. Manchmal weiß nicht einmal der Ehemann etwas von den Inkontinenzproblemen seiner Frau. Bis zu fünf Jahre brauchen manche, ehe sie Hilfe suchen und sich ihrem Arzt anvertrauen. Ein Fehler, meinen Experten, denn mit der richtigen Lebensweise, systematischem Beckenbodentraining und den passenden Hilfsmitteln ist ein aktives Leben kein Problem!

Wintersport

Wintersport: Skifahren trotz Blasenschwäche kein Problem

Blasenschwäche und dann zum Skifahren? Für viele Betroffene ist das undenkbar. Sie können sich das nicht vorstellen: Erst stundenlange Staus auf der Autobahn bei der Anfahrt – und keine Toilette in der Nähe! Dann endlose Schlangen am Lift – und die Blase drückt! Gerade für Menschen mit Blasenschwäche wird die Reise in den Urlaub oft zur Qual. Statt sich entspannt auf Piste, Sonne, Berge zu freuen, kreist bei ihnen alles um die eine Frage: Wo ist das nächste Klo?

Das muss nicht sein! Auch Menschen mit Blasenschwäche können verreisen, und zwar überall hin, so das Infozentrum Inkontinenz. Mit den richtigen Einlagen oder Pants ist alles möglich – vom Schneeschuhaufstieg auf einsame Berghütten bis zur Tiefschneeabfahrt, von der Skiwanderung auf gespurten Loipen bis zur schwarzen Abfahrt.

Wer unter Blasenschwäche leidet, der muss allerdings seine Ferien noch ein bisschen sorgfältiger planen als andere und vor der Abreise unbedingt folgende Fragen klären: Wie viele Hilfsmittel brauche ich am Tag? Kann ich die von zu Hause mitnehmen oder bekomme ich meine gewohnten Produkte vor Ort? Wer mit dem eigenen Wagen reist, der hat Platz und kann alles mitnehmen. Wer mit dem Bus oder der Bahn fährt, der muss sorgfältiger packen. Geklärt werden sollte auch die Frage: Was kosten die Hilfsmittel vor Ort? Erstattet die Krankenkasse diese Ausgaben? Clevere Winterreisende klären das alles vorab, denn manche Kassen liefern die gewohnten Hilfsmittel sogar bis an den Urlaubsort.