Beckenbodentraining

Beckenbodentraining: Gezielte Übungen lindern Blasenschwäche

Wer unter Blasenschwäche leidet, der sollte jede Gelegenheit nutzen, den Beckenboden zu trainieren, raten Experten. Sei es beim Ampelstopp oder beim Fernsehabend, während der Halbzeit, ja sogar vorm PC im Büro lässt sich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Beckenbodentraining zahlt sich immer aus, es lässt sich leicht lernen und  überall absolvieren.

Allerdings sollten sich Betroffene vorher erklären lassen, welche Muskeln sie trainieren müssen. Frauen erfahren meist während der Schwangerschaft in Geburtsvorbereitungskursen, wie sie ihren Beckenboden trainieren und die Muskulatur kräftigen können. Aber welcher Mann kennt schon seinen Beckenboden? Die wenigsten wissen, dass sie überhaupt so etwas haben und erst recht nicht, dass sie mit gezieltem Beckenbodentraining ihre Blasenschwäche lindern – oder einer Blasenschwäche vorbeugen – können. Männer sollten sich deshalb am besten professionelle Anleitung holen, sich vom Arzt einen Kurs oder Trainer empfehlen lassen. Beckenbodentraining lohnt sich auf jeden Fall: Es verschafft einem zwar keinen “Sixpack”, aber einen starken Beckenboden!

In der Praxis ist zum Aufspüren der Beckenboden-Muskeln folgende Übung hilfreich: Beim Wasserlassen den Urinstrahl plötzlich und möglichst vollständig unterbrechen. Bei dieser einfachen Übung kann jeder die Muskeln im Beckenboden deutlich spüren.

Sind die richtigen Muskeln lokalisiert, kann das eigentliche Training beginnen: Die Beckenbodenmuskeln so stark wie möglich zusammenziehen, die Anspannung fünf Sekunden lang halten, dann wieder zehn Sekunden locker lassen. Dabei dürfen Po, Bauch und Schenkel nicht mit angespannt werden. Das heißt: Wird das Training richtig gemacht, bemerken Außenstehende gar nichts davon.

Diese Übung – anspannen, fünf Sekunden halten, dann zehn Sekunden entspannen – wird zehn Mal wiederholt. Wer das mehrmals täglich macht, der spürt schon nach wenigen Wochen Linderung.

Beckenbodenübungen sind allerdings im wahrsten Sine des Wortes Trockenübungen. Experten raten dringend davon ab, sie auf der Toilette während des Wasserlassens zu machen; die oben beschriebene Übung dient lediglich dem Entdecken der eigenen Beckenbodenmuskulatur! Zur Dauerübung taugt sie nicht!

 

Prostatakrebs

Prostatakrebs: Beckenbodentraining hilft Männern mit Blasenschwäche nach Prostata-OP

Die Prostata ist zwar nur kastanienklein, aber sie bereitet gerade Männern in den sogenannten besten Jahren oft großen Kummer: Ab Mitte 40 macht sich die Vorsteherdrüse bei vielen Männern leidvoll bemerkbar. Sie wächst, engt dadurch die Harnröhre ein und behindert den Urinfluss. Die Betroffenen spüren zwar häufig unbändigen Harndrang, aber richtig urinieren können sie nicht. Der einstmals starke Strahl verkümmert – wenn er denn endlich kommt – zum schwachen Rinnsal. Und während die einen nicht richtig Wasser lassen können, plagt die anderen das lästige Nachtröpfeln.

Doch obwohl fast alle Männer irgendwann betroffen sind, gehen die wenigsten von ihnen zum Arzt. Damit vergeben sie ihre besten Chancen! Denn die gutartige Prostatavergrößerung lässt sich oft mit Medikamenten behandeln. Auch der schlimmste Fall, der Prostatakrebs, ist nicht das Ende. Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei – älteren – Männern. Über 90 Prozent der Erkrankten sind über 60. Die Diagnose ist für die meisten zunächst ein Schock, aber vor allem ältere Männer müssen sich in der Regel nur dann operieren lassen, wenn der Krebs besonders aggressiv wächst. Bei Männern unter 60 Jahren dagegen empfehlen Ärzte meist die operative Entfernung der Prostata. Alternativen zur Operation sind Strahlentherapie oder Hormonbehandlung.

Etwa die Hälfte der Patienten leidet nach dem Eingriff an Blasenschwäche, viele vorübergehend, andere dauerhaft. Aber auch das ist nicht das letzte Wort, denn was Frauen hilft, das tut offenbar auch Männern gut: Beckenbodentraining! Immer mehr Studien belegen den Nutzen des Beckenbodentrainings vor allem nach einer Prostata-Operation. Wichtig ist dabei allerdings die professionelle Anleitung. Betroffene sollten deshalb ihren Arzt frühzeitig darauf ansprechen und sich entsprechende Hilfe holen. Das Lesen von Flyern, so wissen Experten, reicht nicht aus, um Beckenbodentraining richtig zu lernen und damit die Inkontinenz wieder in den Griff zu bekommen.