Altersbeschwerden

Altersbeschwerden:
Blasenschwäche ist keine normale Alterserscheinung

Wer seine Blase nicht kontrollieren kann, der spricht nicht darüber. Zu groß ist die Angst, schief angeschaut zu werden, so das Infozentrum Inkontinenz. Vor allem ältere Menschen, die im Alltag ohnehin zunehmend Hilfe benötigen, halten sich bei diesem sensiblen Thema zurück. Die Sorge, als „alte Oma, die sich nass macht“ abgestempelt und von fürsorglichen Verwandten vorzeitig zum Tragen von Windeln genötigt zu werden, hindert viele, sich jemandem anzuvertrauen. Auch dem Arzt offenbaren nur wenige ihre Ängste, denn die meisten halten ihre Probleme für altersbedingt und „normal“. Sie verzichten auf eine genaue Diagnose – und damit auf medizinische Hilfe.

Falsche Vorstellungen und Vorurteile zum Thema Harninkontinenz halten sich laut Robert Koch-Institut (RKI) hartnäckig. Viele Menschen, so das Institut, sind der Überzeugung, Inkontinenz sei ein ganz normaler Abschnitt des Alterungsprozesses, medizinische Hilfe sei deshalb weder nötig noch erfolgversprechend. Laut RKI teilen sogar noch zahlreiche Ärzte diese Auffassung und halten eine Behandlung deshalb auch nicht für sinnvoll. Entsprechend schwierig ist es für Ältere, Hilfe und Beratung zu bekommen – zunächst müssen sie sich selbst überwinden, über das Thema zu sprechen, dann müssen sie eventuell den Widerstand ihres langjährigen Hausarztes überwinden, der Inkontinenz für eine normale Altersmaläse hält, „durch die man halt durch muss“.

Rüstige „Silver-Ager“ sollten sich damit nicht abfinden: Wenn der Hausarzt sich nicht zuständig fühlt, dann sollten sie sich beim Urologen einen Termin geben lassen. Frauen finden in der Regel auch bei ihrem Gynäkologen Gehör, Männer beim Andrologen. Diese Fachärzte haben regelmäßig mit Blasenproblemen zu tun und kennen die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten. Angesichts der demografischen Entwicklung werden sich aber auch die Hausärzte immer öfter mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Deshalb: Nachfragen kostet zwar noch Mut, aber je mehr Betroffene fragen, umso eher rückt das Thema aus der Tabuzone und in den Alltag.